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Widerstand ist zwecklos

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Mein Körper hat schon wieder eine Lektion für mich parat, die dem Kopf partout nicht schmecken will. In der letzten Feldenkrais-Stunde, als wir uns in bislang ganz „kritischen Bereichen“ (sprich völlig steifen und unbeweglichen) aufhielten, durchzuckte mich plötzlich der Gedanke: „Widerstand ist zwecklos“. Und ich habe selten gefühlt, dass etwas so stimmig ist! Wenn ich Widerstand aufbaue, dann verspanne ich meine Muskulatur, wenn der Widerstand über lange Jahre andauert (und die meisten Widerstände werden irgendwann unbewusst und automatisch), dann folgt daraus irgendwann Unbeweglichkeit. Gerne nennen wir dieses Phänomen „Altwerden“ (was bekanntlich nichts für Feiglinge sein soll…).

Aber ist es nicht viel mutiger, die alten Abwehrreaktionen zu hinterfragen und aufzulösen? Gegen das Altwerden hab ich ja gar nichts, gegen die Erstarrung schon. Widerstand per se ist nichts Positives – sicher, es gab mal eine Zeit (und vielleicht gibt es sie wieder), da war es nötig, Widerstand zu leisten. Doch gleichzeitig bindet der Widerstand die Energie im Unerwünschten, Negativen. Ist es nicht viel klüger – in einer Zeit, in der die Wahl- möglichkeiten so groß wie noch nie zuvor sind – sich bewusst für die bessere Option zu entscheiden und damit automatisch der schlechteren eine Absage zu erteilen?

Die kluge Wahl statt des verbissenen Widerstands. Diesen Gedanken will ich eine Weile weiterverfolgen und prüfen. Später habe ich noch bei Moshé Feldenkrais diesen Satz gefunden:

Widerstand wird dadurch aufgelöst, dass er unnötig wird.

Die praktische Konsequenz meiner Erkenntnis war eine etwas ambitionierte Fahrradtour im sonnendurchfluteten Frühwinter. So leicht habe ich mich lange nicht gefühlt, so viel Spaß, sich einen Weg durch bislang unbekanntes Gelände zu bahnen! Na ja, der Rückweg im Dämmerlicht war schon beschwerlicher. Die Ankunft zu Hause mehr oder weniger ein glückliches Dahinsinken. Tja, beweglich sein ist halt nichts für Feiglinge… Und die Leichtigkeit will wahrscheinlich genauso geübt sein wie die Beschwerlichkeit.

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