Alle Artikel mit dem Schlagwort ‘Feldenkrais

Artikel

Widerstand ist zwecklos

Hinterlasse eine Antwort

Mein Körper hat schon wieder eine Lektion für mich parat, die dem Kopf partout nicht schmecken will. In der letzten Feldenkrais-Stunde, als wir uns in bislang ganz „kritischen Bereichen“ (sprich völlig steifen und unbeweglichen) aufhielten, durchzuckte mich plötzlich der Gedanke: „Widerstand ist zwecklos“. Und ich habe selten gefühlt, dass etwas so stimmig ist! Wenn ich Widerstand aufbaue, dann verspanne ich meine Muskulatur, wenn der Widerstand über lange Jahre andauert (und die meisten Widerstände werden irgendwann unbewusst und automatisch), dann folgt daraus irgendwann Unbeweglichkeit. Gerne nennen wir dieses Phänomen „Altwerden“ (was bekanntlich nichts für Feiglinge sein soll…).

Aber ist es nicht viel mutiger, die alten Abwehrreaktionen zu hinterfragen und aufzulösen? Gegen das Altwerden hab ich ja gar nichts, gegen die Erstarrung schon. Widerstand per se ist nichts Positives – sicher, es gab mal eine Zeit (und vielleicht gibt es sie wieder), da war es nötig, Widerstand zu leisten. Doch gleichzeitig bindet der Widerstand die Energie im Unerwünschten, Negativen. Ist es nicht viel klüger – in einer Zeit, in der die Wahl- möglichkeiten so groß wie noch nie zuvor sind – sich bewusst für die bessere Option zu entscheiden und damit automatisch der schlechteren eine Absage zu erteilen?

Die kluge Wahl statt des verbissenen Widerstands. Diesen Gedanken will ich eine Weile weiterverfolgen und prüfen. Später habe ich noch bei Moshé Feldenkrais diesen Satz gefunden:

Widerstand wird dadurch aufgelöst, dass er unnötig wird.

Die praktische Konsequenz meiner Erkenntnis war eine etwas ambitionierte Fahrradtour im sonnendurchfluteten Frühwinter. So leicht habe ich mich lange nicht gefühlt, so viel Spaß, sich einen Weg durch bislang unbekanntes Gelände zu bahnen! Na ja, der Rückweg im Dämmerlicht war schon beschwerlicher. Die Ankunft zu Hause mehr oder weniger ein glückliches Dahinsinken. Tja, beweglich sein ist halt nichts für Feiglinge… Und die Leichtigkeit will wahrscheinlich genauso geübt sein wie die Beschwerlichkeit.

Artikel

Den Stillstand genießen

1.708 Kommentare

Nach der letzten Feldenkraisstunde habe ich etwas Wesentliches kapiert. Ich habe mein „Ziel“ – das geschmeidige Gehen losgelassen, weil mich das stille Stehen auf einer Stelle viel mehr fasziniert. In den letzten Wochen habe ich beobachtet, wie sich in meinem Körper Stück für Stück die Statik verändert hat. Nun stehe ich ganz anders auf den Füßen, weiter vorne – mit dem Effekt, dass sich mein Nacken nun viel länger anfühlt. Vielleicht verkrampfe ich ihn nicht mehr? Mir fällt dazu das Wort hartnäckig ein, und es erscheint mir gar nicht mehr erstrebenswert, so zu sein. Leichtfüßig gefällt mir da schon viel besser. Aber auch bodenständig.

Anscheinend ist gerade nicht die Zeit, mich irgendwohin zu bewegen. Das hab ich beinahe mein Leben lang getan. Das Unterwegssein war meine Lebensform. Jetzt bin ich schon da, wo ich hingehöre und muss nicht mehr weiterziehen. Dieses neue Gefühl will ich erst mal eine Weile auskosten. Und einfach stehenbleiben.

Artikel

Wenn du es eilig hast, geh‘ langsam

Hinterlasse eine Antwort

Meine ersten Frühlingstage sind zwar voll von Ereignissen, Begegnungen und Gedanken, und doch gelingt es mir bislang, jeden Augenblick zu genießen und nicht in Hektik zu verfallen. In der Feldenkrais-Stunde diese Woche habe ich mir wieder bewusst gemacht, wieviel mehr ich wahrnehmen kann, wenn ich jede Bewegung ganz langsam ausführe. Genauso wie man eine Landschaft beim Gehen erst wirklich kennenlernt während man beim Fahren auf der Autobahn nur die Leitplanken und Verkehrsschilder sieht.

Die Nachbarskatze hat das schon lang verstanden und kommt ab und zu vorbei, um uns eine Kostprobe ihrer Kunst zu geben.