Alle Artikel mit dem Schlagwort ‘Perspektiven-Wechsel

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Zu früh gefreut? Meine Energie ist zwar wieder da, aber die Welt um mich herum will sich einfach nicht mit mir bewegen. Zumindest nicht so, wie ich es will. Stattdessen zwingt sie mir weitere Hindernisse auf. Schnee-schaufeln statt Bewegungsmedi-tation. Einheizen statt Durchlüften. Introspektion statt Weitblick. Warten statt Losstürmen. Rumtüfteln statt großzügigem Gestalten. Die begonnenen Projekte stottern so vor sich hin. Ich bin schon froh, wenn Kleinigkeiten gelingen. Ein Parkplatz zur rechten Zeit sich auftut. Das Hochladen eines Fotos endlich funktioniert. Man sich auf einen Termin einigt…

Was lerne ich in dieser Zeit?

Das genaue Hinschauen und Prüfen. Denn manches meiner technischen und sonstigen Problemchen habe ich durch meine eigene Gedanken-losigkeit verursacht. Genauigkeit in den kleinen Dingen lohnt sich!

Das Fokussieren auf das Wesent-liche. Welche Handlungen bringen mich meinen Zielen näher? Welche bringen mich vom Weg ab? Und da ich meine Ziele klarer fasse, kann ich mich auch leichter entscheiden. Welcher Termin ist wichtig? Soll ich diese oder jene Fortbildung belegen? Will ich da überhaupt hin? Was will ich garantiert so nicht mehr? Was anstelle dessen?

Das Loslassen von Gedanken und Vertrauen in das was kommt. Ich kann den Lauf der Dinge nicht beschleunigen, keine Nachrichten erzwingen. Kann nur mich um das Meine kümmern. Und auf die Energie der anderen vertrauen.

Das Träumen, das Imaginieren, das Rufen und Wünschen. In der schein- baren Ereignislosigkeit fliegen mir Impulse zu, Schätze, die ich noch heben will. Gedankensplitter, die sich jetzt zu einem Sinn verbinden. Was habe ich gestern bei Marc David in The Slow Down Diet gelesen:

„Whatever you believe is the disease is actually the cure, …“

Danke für dieses Lesevergnügen in zweierlei Hinsicht: die ehrliche, humorvolle und undogmatische Sprache und die Erkenntnisse, die auf der Stelle für Erleichterung und Lebensfreude sorgen. Mein erstes Buch in englischer Sprache, das ich von vorn bis hinten durchgelesen und verstanden habe! Yess!

 

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Einmal Paris – hin und zurück, bitte!

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Mein Arbeitsjahr 2013 beginnt gleich mit einer sehr interessanten Erfahrung: ein interkulturelles Training für Mittel-Osteuropa in Paris! Multikultureller geht’s fast nicht. Belgisches Unternehmen, französischer Klient mit US-Background, dänischer Chef, polnische, tschechische, slowakische und ungarische Kollegen und Partner.

In der Vorbereitung tauche ich tagelang in die englische Sprache ab und stelle wieder mal fest, welch gravierenden Einfluss dies auf mein Denken und meine Ausdrucksmöglich-keiten ausübt. Slawischen Wortwitz und diffizile Anredeformen rüberbringen? Schwierig…  Andererseits ist es im Englischen auch oft einfacher, Dinge auf den Punkt zu bringen (vielleicht weil mir das Handwerkszeug zum Verkomplizieren fehlt??). Mein Geist ist hellwach, auch nachts, wenn mir plötzlich wieder ein Wort einfällt, das ich nicht übersetzen kann. Mich auch noch auf’s Französische irgendwie vorzubereiten fällt vollkommen flach.

Dieser Auftrag ist auch gleichzeitig ein Lehrstück für mich. Mulmige Gefühle, Irritationen und ein paar lang verlegte Vorurteile melden sich aus dem Unterbewusstsein, abwechselnd mit freudiger Gespanntheit auf die neuen Erfahrungen. Die Reise im TGV (320 km/h Spitzengeschwindigkeit, null Sauerstoff) stimmt mich auf’s Business ein. Hier geht es um Tempo. Fast ein Retro-Erlebnis dann die Metro in Paris. Kann es sein, dass die U-Bahnen in Paris duften? Dafür ist das Kofferschleppen beschwerlich. Rolltreppen oder Lifte suche ich vergeblich.

Das Hotel dann ein futuristisch aufgehübschter Kasten (null Sauerstoff), der Blick aus meinem Fenster offenbart die Auffahrt zur Stadtautobahn, einige Wohnblöcke, ein Einkaufszentrum und dazwischen die Reste eines ehemaligen Vorortes. Irgendwo müssen doch noch die beiden Tours Mercuriales sein, schließlich habe ich dort morgen eine Verabredung im 27. Stockwerk? Für einen Ausflug ins echte Paris fehlt mir jegliche Energie, irgendwie ist mir schwindlig. Der einfühlsame Kellner erkennt meine Notlage, pickt aus der Menükarte genau die für mich passenden Dinge heraus und serviert umgehend einen fabelhaften Erste-Hilfe-Salat. Da merke ich, dass mir neben frischer Luft einfach auch ein anständiges Essen gefehlt hat.

Die Pariser Twin Towers tauchen dann am nächsten Morgen auf, als ich eine Runde um den Block gehe. Ungeachtet der Betonwüste um mich herum genieße ich die frische Morgenluft und freue mich über eine kreischende Spatzenbande. Den Tag verbringe ich mit sehr anregenden und angenehmen Menschen und stelle wieder einmal fest, dass es doch mehr Dinge sind, die uns verbinden, als uns voneinander trennen. Mit einem Panoramablick auf tout Paris und vorzüglichem Essen, leider wieder ohne Frischluft. Mein Paris-Abenteuer beschließe ich mit einer Taxifahrt zum Gare de l’Est und habe Gelegenheit, den geschmeidigen Fahrstil der Pariser Zweiradfahrer zu bewundern…

Eine Stunde habe ich noch die Chance, etwas Pariser Leben zu tanken, bevor ich mich im Nachtzug in mein Körperschließfach begebe. Ich muss bestürzt feststellen, dass die immerhin vorhandenen Schiebefenster auf dem Gang verriegelt wurden (wieder: null Sauerstoff). Wer jemals behauptet hat, nach einer solchen Nacht ausgeruht und faltenfrei ausgestiegen zu sein, der lügt. Zum Glück bin ich wie jener Teebecher in Paris auch recyclable. Als ich am Morgen am Augsburger Bahnhof ankomme, schnappe ich erstmal nach Luft, erfreue mich meiner wiedergewonnenen Bewegungs-freiheit, flute meine Zellen mit Wasser und lasse mich glücklich nach Hause chauffieren.

Nächstes Mal bleibe ich länger – Frankreich ist nun wieder auf meiner inneren Landkarte, französische Worte funkeln plötzlich in meinen Gedanken. Als kleines Andenken habe ich mir wenigstens einen französischen Duft mitgebracht.

Blöd, dass die Seele bei 300 Stundenkilometern einfach nicht mitkommt. C’est la vie!

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Reise nach Atlantis

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„Kraft aus den Wurzeln / Síla kořenů“ – unter diesem Motto trafen sich ungefähr 50 Menschen der unter-schiedlichsten Altersgruppen, die alle auf irgendeine Art und Weise persönlich mit der deutsch-tschechischen Geschichte verbunden sind. Da dieses Seminar im wunderschönen nordböhmischen Wallfahrtsort Hejnice/Haindorf nun schon zum siebten Mal stattfand, sind sich viele der Teilnehmenden auch schon untereinander sehr verbunden und blicken auf ein Stück gemeinsamer Geschichte zurück.

Ich habe schon an vielen klugen aber oft auch ermüdenden Konferenzen zum deutsch-tschechischen Thema  teilgenommen. Doch hier erlebten wir alle, wie man durch die Kraft von Symbolen und gemeinsamen heilsamen Ritualen Sprachgrenzen überwindet, Brücken zwischen Kulturen und Generationen baut und das allen gemeine Menschsein wieder ins Bewusstsein rufen und weiterentwickeln kann. Zuzana aus Prag hatte für alle eigens Pfeffer-kuchenherzen gebacken, die wir uns als Begrüßungsgeste gegenseitig überreichten.

„Alle stehen wir auf der einen Bühne der großen Welt,
und was immer hier geschieht,
betrifft alle.“
Johann Amos Comenius

 

Im Garten der Villa Klinger in Nové Město pod Smrkem/Neustadt an der Tafelfichte pflanzten wir als Dank für die Gastfreundschaft und als Zeichen für die gemeinsame Zukunft eine Birke. Wasser bekam das Bäumchen auch musikalisch durch ein Stück aus Smetanas Moldau. Das Zitat von Comenius, das für die Widmung ausgewählt wurde, bedeutet für mich zwei Dinge: Zum einen bin ich manchmal Teil einer großen Inszenierung, die ich mir nicht ausgedacht habe und die ich so oft auch gar nicht will. Doch zum anderen kann ich immer das Drehbuch ein Stück weit umschreiben, meine Rolle wechseln und mit Spannung erleben, wie sich das ganze Schauspiel verändert. Danke Gerhart für diesen Gedanken und Danke Edeltraud und Dušan für die zauberhafte Musik.

Von Teréza (Vertreterin von Antikomplex) schließlich bekam ich den Titel für diesen Artikel. Sie verglich das Sudetenland mit der sagenumwobenen Insel Atlantis. Denn die junge tschechische Generation entdeckt nun wieder dieses versunkene Land und staunt über dessen Schönheit und Reichtum. Gemeinsam können wir nun eine neue Erzählweise über dieses Land schaffen, eine, die nicht nur von Gewalt, Verlust und Angst bestimmt wird, sondern die einlädt zu Entdeckung, gemeinsamem Austausch und  gegenseitiger Wertschätzung. Also: Auf nach Atlantis!

Und, da es noch nicht gesagt wurde: Ein besonderes Danke an Monika und Franz, die mit unermüdlicher Energie über 7 Jahre hinweg für viele Menschen einen ganz besonderen Rahmen für Versöhnung und Heilung geschaffen haben. Wie es weitergehen wird? Vielleicht ganz anders – aber auf jeden Fall wird es gut werden.

 

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Ich habe die Wahl

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Das Experiment Perspektivenwechsel wirkt immer noch nach. Inzwischen bin ich draufgekommen, womit ich mich so ungehalten gemacht habe. Wie so oft ist es die eigene Eingefahrenheit. Egal, ob ich aus Prinzip nur auf den alten Gleisen unterwegs bin oder – genauso stur – stets den alternativen Blick suche. Mit Ersterem beschränke ich meinen Horizont und lasse keine neuen Erfahrungen zu, mit dem Zweiten begebe ich mich permanent auf  Neuland und verdränge bislang Bewährtes. Doch nicht das Neue oder Fremde war es, was mir zugesetzt hat, sondern mein diffuses Gefühl des Ausgeliefertseins, des Nicht-Wählen-Könnens… Na immerhin bin ich dann dank eines Gesprächs mit einer befreundeten Kinesiologin draufgekommen. Plötzlich tönte meine Erkenntnis als Satz durch den Raum: Ich habe die Wahl!
Ja klar. Wie konnte ich das nur vergessen. Und seitdem wähle ich wieder bewusst, was ich spreche und tue – und siehe da! Alle Terminver-wicklungen der letzten Wochen haben sich glücklich gefügt. Das Kopfweh ist verschwunden. Der Groll auch. Und mit dem Frühlingswetter schau auch ich wieder freundlich in die Welt und nehme, was immer da kommt, mehr oder weniger elegant und lächelnd. Meistens ist es sowieso gerade das Richtige für mich. Stelle ich hinterher fest. DANKE!

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Perspektivenwechsel: Das mach‘ ich doch mit links

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Um Hirn und Bein wieder frühjahrsfit zu bekommen, hab‘ ich mir einen kleinen Perspektivenwechsel verordnet. Das tu ich gelegentlich, verlasse so die alten eingefahrenen Gleise und ziehe neue Spuren.  Also: derzeit mach‘ ich mit links, was die eingefleischte Rechtshänderin sonst mit rechts erledigt. Das führt sofort zu einigen Erkenntnissen. Da viele Bewegungen mit links einfach ungewohnt sind, mache ich sie langsamer und mir wird plötzlich bewusst, wie viele Muskeln ich (oft überflüssigerweise) bewege, um die simpelsten Handlungen auszuführen. Drum merke ich z.B. recht schnell, wenn ich die linke Schulter beim morgendlichen Kaffeetrinken hochziehe und verkrampfe. Ein Vorgang, der mit rechts schon so normal ist, dass es mir höchstens auffällt, wenn die Schulter mal ganz entspannt ist. Einige Tätigkeiten, wie z.B. das Obst für’s Frühstück schnippeln, fordern meine volle Konzentration und ich fühle mich viel weniger abgelenkt als sonst. Da ich auch darauf achte, meine Schritte stets mit links zu beginnen, ändert sich auch mein Bewegungsbild. Immer wieder falle ich natürlich in die gewohnte Normalität zurück und stelle fest, dass viele Handlungen und auch Geräte des Alltags einfach auf Rechtshändigkeit zugeschnitten sind.

Es ist ja auch noch nicht so lange her, da war die linke Seite mit einem Makel behaftet. Mir wurde als Kind noch beigebracht, beim Begrüßen der alten Tanten immer die schöne Hand zu geben. Als ob die andere weniger schön wäre… Rechts ist in unserer Sprache ja auch mit positiven Begriffen wie Recht, Gerechtigkeit, aufrecht und rechtschaffen verbunden, während mir bei links Worte wie linkisch, jemanden linken oder sogar die Beschimpfung „Du linke Bazille!“ einfallen.

Links und rechts hatte ja auch noch bis vor Kurzem eine politische Bedeutung. Doch die alten scheinbar unverrückbaren Positionen sind auch nicht mehr das was sie waren. Vielleicht leben wir in einer Zeit, in der Links und Rechts im Sinne von Bewertung einfach ausgedient haben und wir gut daran tun, uns im ganzen Spektrum zu üben? Zumindest in der virtuellen Welt haben die Links ja schon gewaltig Karriere gemacht und fast jeder freut sich, von anderen verlinkt zu werden. Link heißt ja schließlich auch Verbindung – und die darf ruhig wieder mehr gepflegt werden, finde ich.