Alle Artikel mit dem Schlagwort ‘Sprache

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Vom Mund kommt die Zukunft

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Vom Mund kommt die Zukunft, heißt es, sagt der Tuwa-Schamane Galsan Tschinag, der seine Bücher übrigens auf Deutsch verfasst. Man kann das glauben oder nicht – Tatsache ist, sprechend gestalten wir unsere Realität. Und was kriecht da nicht alles aus der Feder, bzw. entspringt unserer Tastatur, was quillt nicht unerkannt aus unserem Mund! Wollen wir …

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Frühlingshyperaktivitätsdurchbruchsphase

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Endlich bricht aus allen Knospen das frische Grün – und die dunkle, farblose Zeit ist überwunden. Mich wundert es gar nicht, dass Frühling im Englischen SPRING heißt, ich weiß oft gar nicht, wo ich zuerst hinspringen will. Hochbeet ansäen und Salat pflanzen? (muss dann täglich bewacht werden)… Im Bärlauch baden? Oder doch noch einen Rhabarberkuchen backen? Motorradpremierenausflug machen? (Mist, als ich in voller Montur draufsitze, schwächelt die Batterie ganz fürchterlich)… Klar, fotografieren, jeden Käfer, jeden Grashalm, der sich zeigt (dabei zeigt sich überdeutlich auch die gemeine Ackerwinde, die „rupf mich raus“ ruft)… Oder lieber doch die Gartenmöbel abschleifen? (Als ich alle nötigen Utensilien beieinander habe, regnet es natürlich)… Dabei sollte ich lieber am PC sitzen und ein Vortragskonzept und einige Marketing-Mails schreiben… Während die Vögel zwitschern? Müssen da nicht ein paar Äste abgesägt werden? Und wenn ich bloß wüsste, warum beim Hochladen von Fotos auf meinen Blog dauernd dieser http-Fehler kommt… Als ich im Magazin a tempo meine Lieblingskolumne „Willis Welt“ lese, fühle ich mich ertappt. Auch mir fällt es gerade schwer, die auf mich einprasselnden Reize der Reihe nach zu verarbeiten. Gut dass ich schon groß bin und man mir wohl keine ADHS-Diagnose mehr stellen wird. Aber genauso geht es mir gerade. War das aber nicht jeden Frühling so?

OLYMPUS DIGITAL CAMERADoch just als das Wetter passt, um die Möbel zu schleifen, der Termin für die Feldenkrais-Stunde ansteht und ich plane, meine zahlreichen ungelösten technischen Fragen zur Social-Media-Sprechstunde ins Ammersee-Denkerhaus nach Diessen zu tragen, verordnet mir die innere Intelligenz einen schwindeligen Einkehrtag. Die viele unkoordinierte Energie ist implodiert, auf jeden Fall nicht mehr vorhanden.  Also, Termine absagen, Sprechstunde bei mir selber einlegen. Farbtherapie mit Hängemattenhimmelblau. Genau!

 

 

 

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Einmal Paris – hin und zurück, bitte!

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Mein Arbeitsjahr 2013 beginnt gleich mit einer sehr interessanten Erfahrung: ein interkulturelles Training für Mittel-Osteuropa in Paris! Multikultureller geht’s fast nicht. Belgisches Unternehmen, französischer Klient mit US-Background, dänischer Chef, polnische, tschechische, slowakische und ungarische Kollegen und Partner.

In der Vorbereitung tauche ich tagelang in die englische Sprache ab und stelle wieder mal fest, welch gravierenden Einfluss dies auf mein Denken und meine Ausdrucksmöglich-keiten ausübt. Slawischen Wortwitz und diffizile Anredeformen rüberbringen? Schwierig…  Andererseits ist es im Englischen auch oft einfacher, Dinge auf den Punkt zu bringen (vielleicht weil mir das Handwerkszeug zum Verkomplizieren fehlt??). Mein Geist ist hellwach, auch nachts, wenn mir plötzlich wieder ein Wort einfällt, das ich nicht übersetzen kann. Mich auch noch auf’s Französische irgendwie vorzubereiten fällt vollkommen flach.

Dieser Auftrag ist auch gleichzeitig ein Lehrstück für mich. Mulmige Gefühle, Irritationen und ein paar lang verlegte Vorurteile melden sich aus dem Unterbewusstsein, abwechselnd mit freudiger Gespanntheit auf die neuen Erfahrungen. Die Reise im TGV (320 km/h Spitzengeschwindigkeit, null Sauerstoff) stimmt mich auf’s Business ein. Hier geht es um Tempo. Fast ein Retro-Erlebnis dann die Metro in Paris. Kann es sein, dass die U-Bahnen in Paris duften? Dafür ist das Kofferschleppen beschwerlich. Rolltreppen oder Lifte suche ich vergeblich.

Das Hotel dann ein futuristisch aufgehübschter Kasten (null Sauerstoff), der Blick aus meinem Fenster offenbart die Auffahrt zur Stadtautobahn, einige Wohnblöcke, ein Einkaufszentrum und dazwischen die Reste eines ehemaligen Vorortes. Irgendwo müssen doch noch die beiden Tours Mercuriales sein, schließlich habe ich dort morgen eine Verabredung im 27. Stockwerk? Für einen Ausflug ins echte Paris fehlt mir jegliche Energie, irgendwie ist mir schwindlig. Der einfühlsame Kellner erkennt meine Notlage, pickt aus der Menükarte genau die für mich passenden Dinge heraus und serviert umgehend einen fabelhaften Erste-Hilfe-Salat. Da merke ich, dass mir neben frischer Luft einfach auch ein anständiges Essen gefehlt hat.

Die Pariser Twin Towers tauchen dann am nächsten Morgen auf, als ich eine Runde um den Block gehe. Ungeachtet der Betonwüste um mich herum genieße ich die frische Morgenluft und freue mich über eine kreischende Spatzenbande. Den Tag verbringe ich mit sehr anregenden und angenehmen Menschen und stelle wieder einmal fest, dass es doch mehr Dinge sind, die uns verbinden, als uns voneinander trennen. Mit einem Panoramablick auf tout Paris und vorzüglichem Essen, leider wieder ohne Frischluft. Mein Paris-Abenteuer beschließe ich mit einer Taxifahrt zum Gare de l’Est und habe Gelegenheit, den geschmeidigen Fahrstil der Pariser Zweiradfahrer zu bewundern…

Eine Stunde habe ich noch die Chance, etwas Pariser Leben zu tanken, bevor ich mich im Nachtzug in mein Körperschließfach begebe. Ich muss bestürzt feststellen, dass die immerhin vorhandenen Schiebefenster auf dem Gang verriegelt wurden (wieder: null Sauerstoff). Wer jemals behauptet hat, nach einer solchen Nacht ausgeruht und faltenfrei ausgestiegen zu sein, der lügt. Zum Glück bin ich wie jener Teebecher in Paris auch recyclable. Als ich am Morgen am Augsburger Bahnhof ankomme, schnappe ich erstmal nach Luft, erfreue mich meiner wiedergewonnenen Bewegungs-freiheit, flute meine Zellen mit Wasser und lasse mich glücklich nach Hause chauffieren.

Nächstes Mal bleibe ich länger – Frankreich ist nun wieder auf meiner inneren Landkarte, französische Worte funkeln plötzlich in meinen Gedanken. Als kleines Andenken habe ich mir wenigstens einen französischen Duft mitgebracht.

Blöd, dass die Seele bei 300 Stundenkilometern einfach nicht mitkommt. C’est la vie!

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Perspektivenwechsel: Das mach‘ ich doch mit links

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Um Hirn und Bein wieder frühjahrsfit zu bekommen, hab‘ ich mir einen kleinen Perspektivenwechsel verordnet. Das tu ich gelegentlich, verlasse so die alten eingefahrenen Gleise und ziehe neue Spuren.  Also: derzeit mach‘ ich mit links, was die eingefleischte Rechtshänderin sonst mit rechts erledigt. Das führt sofort zu einigen Erkenntnissen. Da viele Bewegungen mit links einfach ungewohnt sind, mache ich sie langsamer und mir wird plötzlich bewusst, wie viele Muskeln ich (oft überflüssigerweise) bewege, um die simpelsten Handlungen auszuführen. Drum merke ich z.B. recht schnell, wenn ich die linke Schulter beim morgendlichen Kaffeetrinken hochziehe und verkrampfe. Ein Vorgang, der mit rechts schon so normal ist, dass es mir höchstens auffällt, wenn die Schulter mal ganz entspannt ist. Einige Tätigkeiten, wie z.B. das Obst für’s Frühstück schnippeln, fordern meine volle Konzentration und ich fühle mich viel weniger abgelenkt als sonst. Da ich auch darauf achte, meine Schritte stets mit links zu beginnen, ändert sich auch mein Bewegungsbild. Immer wieder falle ich natürlich in die gewohnte Normalität zurück und stelle fest, dass viele Handlungen und auch Geräte des Alltags einfach auf Rechtshändigkeit zugeschnitten sind.

Es ist ja auch noch nicht so lange her, da war die linke Seite mit einem Makel behaftet. Mir wurde als Kind noch beigebracht, beim Begrüßen der alten Tanten immer die schöne Hand zu geben. Als ob die andere weniger schön wäre… Rechts ist in unserer Sprache ja auch mit positiven Begriffen wie Recht, Gerechtigkeit, aufrecht und rechtschaffen verbunden, während mir bei links Worte wie linkisch, jemanden linken oder sogar die Beschimpfung „Du linke Bazille!“ einfallen.

Links und rechts hatte ja auch noch bis vor Kurzem eine politische Bedeutung. Doch die alten scheinbar unverrückbaren Positionen sind auch nicht mehr das was sie waren. Vielleicht leben wir in einer Zeit, in der Links und Rechts im Sinne von Bewertung einfach ausgedient haben und wir gut daran tun, uns im ganzen Spektrum zu üben? Zumindest in der virtuellen Welt haben die Links ja schon gewaltig Karriere gemacht und fast jeder freut sich, von anderen verlinkt zu werden. Link heißt ja schließlich auch Verbindung – und die darf ruhig wieder mehr gepflegt werden, finde ich.

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Danke

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Ich will einem einzigen Wort einen Beitrag widmen, weil es mich seit Tagen begleitet. Natürlich gab es zuerst einen Anlass, danke zu sagen. Danke für die Glückwünsche. Danke für die Torte. Danke für Euren Besuch. Danke für das liebevoll ausgewählte Geschenk. Danke für die herzlichen Worte. Danke für Deine Hilfe. Danke für die Blumen. Danke für Deine Mühe. Und so weiter.

Doch dann hat sich aus diesem einen danke eine richtige Welle entwickelt. Je mehr das Gefühl von Dankbarkeit in mir Raum gefunden hat, desto reicher wurde ich weiterhin beschenkt. Als ob mir das danke schon auf der Stirn geschrieben stünde… Die Blume, die mir am Sparkassenschalter überreicht wird… (Meine irritierte Reaktion: Äh, ist irgendetwas?) Die Überraschung nach meinem Vortrag… (In der Tat nicht alltäglich – Feedback in Form von Wertschätzung!) Die mail im Anschluss am nächsten Tag… Die humorige Postkarte … Die unerwartet konstruktive Nachricht einer Geschäftspartnerin, die ich eigentlich schon abgeschrieben hatte…

Das danke ist eine echte Sensation! Und zwar im ursprünglichen Sinne des Wortes. Eigentlich bedeutet sensation nämlich einfach Empfindung. Wenn ich das danke tief empfinden kann, dann verändere ich damit meine Wirklichkeit. Worte wirken. Ich schreibe das auf, damit ich mich wieder daran erinnere, wenn mich das Leben nächstes Mal nervt. Oder ich mir das Leben gerade wieder einmal schlechtrede…