Alle Artikel mit dem Schlagwort ‘Tempowechsel

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Frühlingshyperaktivitätsdurchbruchsphase

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Endlich bricht aus allen Knospen das frische Grün – und die dunkle, farblose Zeit ist überwunden. Mich wundert es gar nicht, dass Frühling im Englischen SPRING heißt, ich weiß oft gar nicht, wo ich zuerst hinspringen will. Hochbeet ansäen und Salat pflanzen? (muss dann täglich bewacht werden)… Im Bärlauch baden? Oder doch noch einen Rhabarberkuchen backen? Motorradpremierenausflug machen? (Mist, als ich in voller Montur draufsitze, schwächelt die Batterie ganz fürchterlich)… Klar, fotografieren, jeden Käfer, jeden Grashalm, der sich zeigt (dabei zeigt sich überdeutlich auch die gemeine Ackerwinde, die „rupf mich raus“ ruft)… Oder lieber doch die Gartenmöbel abschleifen? (Als ich alle nötigen Utensilien beieinander habe, regnet es natürlich)… Dabei sollte ich lieber am PC sitzen und ein Vortragskonzept und einige Marketing-Mails schreiben… Während die Vögel zwitschern? Müssen da nicht ein paar Äste abgesägt werden? Und wenn ich bloß wüsste, warum beim Hochladen von Fotos auf meinen Blog dauernd dieser http-Fehler kommt… Als ich im Magazin a tempo meine Lieblingskolumne „Willis Welt“ lese, fühle ich mich ertappt. Auch mir fällt es gerade schwer, die auf mich einprasselnden Reize der Reihe nach zu verarbeiten. Gut dass ich schon groß bin und man mir wohl keine ADHS-Diagnose mehr stellen wird. Aber genauso geht es mir gerade. War das aber nicht jeden Frühling so?

OLYMPUS DIGITAL CAMERADoch just als das Wetter passt, um die Möbel zu schleifen, der Termin für die Feldenkrais-Stunde ansteht und ich plane, meine zahlreichen ungelösten technischen Fragen zur Social-Media-Sprechstunde ins Ammersee-Denkerhaus nach Diessen zu tragen, verordnet mir die innere Intelligenz einen schwindeligen Einkehrtag. Die viele unkoordinierte Energie ist implodiert, auf jeden Fall nicht mehr vorhanden.  Also, Termine absagen, Sprechstunde bei mir selber einlegen. Farbtherapie mit Hängemattenhimmelblau. Genau!

 

 

 

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Zu früh gefreut? Meine Energie ist zwar wieder da, aber die Welt um mich herum will sich einfach nicht mit mir bewegen. Zumindest nicht so, wie ich es will. Stattdessen zwingt sie mir weitere Hindernisse auf. Schnee-schaufeln statt Bewegungsmedi-tation. Einheizen statt Durchlüften. Introspektion statt Weitblick. Warten statt Losstürmen. Rumtüfteln statt großzügigem Gestalten. Die begonnenen Projekte stottern so vor sich hin. Ich bin schon froh, wenn Kleinigkeiten gelingen. Ein Parkplatz zur rechten Zeit sich auftut. Das Hochladen eines Fotos endlich funktioniert. Man sich auf einen Termin einigt…

Was lerne ich in dieser Zeit?

Das genaue Hinschauen und Prüfen. Denn manches meiner technischen und sonstigen Problemchen habe ich durch meine eigene Gedanken-losigkeit verursacht. Genauigkeit in den kleinen Dingen lohnt sich!

Das Fokussieren auf das Wesent-liche. Welche Handlungen bringen mich meinen Zielen näher? Welche bringen mich vom Weg ab? Und da ich meine Ziele klarer fasse, kann ich mich auch leichter entscheiden. Welcher Termin ist wichtig? Soll ich diese oder jene Fortbildung belegen? Will ich da überhaupt hin? Was will ich garantiert so nicht mehr? Was anstelle dessen?

Das Loslassen von Gedanken und Vertrauen in das was kommt. Ich kann den Lauf der Dinge nicht beschleunigen, keine Nachrichten erzwingen. Kann nur mich um das Meine kümmern. Und auf die Energie der anderen vertrauen.

Das Träumen, das Imaginieren, das Rufen und Wünschen. In der schein- baren Ereignislosigkeit fliegen mir Impulse zu, Schätze, die ich noch heben will. Gedankensplitter, die sich jetzt zu einem Sinn verbinden. Was habe ich gestern bei Marc David in The Slow Down Diet gelesen:

„Whatever you believe is the disease is actually the cure, …“

Danke für dieses Lesevergnügen in zweierlei Hinsicht: die ehrliche, humorvolle und undogmatische Sprache und die Erkenntnisse, die auf der Stelle für Erleichterung und Lebensfreude sorgen. Mein erstes Buch in englischer Sprache, das ich von vorn bis hinten durchgelesen und verstanden habe! Yess!

 

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Einmal Paris – hin und zurück, bitte!

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Mein Arbeitsjahr 2013 beginnt gleich mit einer sehr interessanten Erfahrung: ein interkulturelles Training für Mittel-Osteuropa in Paris! Multikultureller geht’s fast nicht. Belgisches Unternehmen, französischer Klient mit US-Background, dänischer Chef, polnische, tschechische, slowakische und ungarische Kollegen und Partner.

In der Vorbereitung tauche ich tagelang in die englische Sprache ab und stelle wieder mal fest, welch gravierenden Einfluss dies auf mein Denken und meine Ausdrucksmöglich-keiten ausübt. Slawischen Wortwitz und diffizile Anredeformen rüberbringen? Schwierig…  Andererseits ist es im Englischen auch oft einfacher, Dinge auf den Punkt zu bringen (vielleicht weil mir das Handwerkszeug zum Verkomplizieren fehlt??). Mein Geist ist hellwach, auch nachts, wenn mir plötzlich wieder ein Wort einfällt, das ich nicht übersetzen kann. Mich auch noch auf’s Französische irgendwie vorzubereiten fällt vollkommen flach.

Dieser Auftrag ist auch gleichzeitig ein Lehrstück für mich. Mulmige Gefühle, Irritationen und ein paar lang verlegte Vorurteile melden sich aus dem Unterbewusstsein, abwechselnd mit freudiger Gespanntheit auf die neuen Erfahrungen. Die Reise im TGV (320 km/h Spitzengeschwindigkeit, null Sauerstoff) stimmt mich auf’s Business ein. Hier geht es um Tempo. Fast ein Retro-Erlebnis dann die Metro in Paris. Kann es sein, dass die U-Bahnen in Paris duften? Dafür ist das Kofferschleppen beschwerlich. Rolltreppen oder Lifte suche ich vergeblich.

Das Hotel dann ein futuristisch aufgehübschter Kasten (null Sauerstoff), der Blick aus meinem Fenster offenbart die Auffahrt zur Stadtautobahn, einige Wohnblöcke, ein Einkaufszentrum und dazwischen die Reste eines ehemaligen Vorortes. Irgendwo müssen doch noch die beiden Tours Mercuriales sein, schließlich habe ich dort morgen eine Verabredung im 27. Stockwerk? Für einen Ausflug ins echte Paris fehlt mir jegliche Energie, irgendwie ist mir schwindlig. Der einfühlsame Kellner erkennt meine Notlage, pickt aus der Menükarte genau die für mich passenden Dinge heraus und serviert umgehend einen fabelhaften Erste-Hilfe-Salat. Da merke ich, dass mir neben frischer Luft einfach auch ein anständiges Essen gefehlt hat.

Die Pariser Twin Towers tauchen dann am nächsten Morgen auf, als ich eine Runde um den Block gehe. Ungeachtet der Betonwüste um mich herum genieße ich die frische Morgenluft und freue mich über eine kreischende Spatzenbande. Den Tag verbringe ich mit sehr anregenden und angenehmen Menschen und stelle wieder einmal fest, dass es doch mehr Dinge sind, die uns verbinden, als uns voneinander trennen. Mit einem Panoramablick auf tout Paris und vorzüglichem Essen, leider wieder ohne Frischluft. Mein Paris-Abenteuer beschließe ich mit einer Taxifahrt zum Gare de l’Est und habe Gelegenheit, den geschmeidigen Fahrstil der Pariser Zweiradfahrer zu bewundern…

Eine Stunde habe ich noch die Chance, etwas Pariser Leben zu tanken, bevor ich mich im Nachtzug in mein Körperschließfach begebe. Ich muss bestürzt feststellen, dass die immerhin vorhandenen Schiebefenster auf dem Gang verriegelt wurden (wieder: null Sauerstoff). Wer jemals behauptet hat, nach einer solchen Nacht ausgeruht und faltenfrei ausgestiegen zu sein, der lügt. Zum Glück bin ich wie jener Teebecher in Paris auch recyclable. Als ich am Morgen am Augsburger Bahnhof ankomme, schnappe ich erstmal nach Luft, erfreue mich meiner wiedergewonnenen Bewegungs-freiheit, flute meine Zellen mit Wasser und lasse mich glücklich nach Hause chauffieren.

Nächstes Mal bleibe ich länger – Frankreich ist nun wieder auf meiner inneren Landkarte, französische Worte funkeln plötzlich in meinen Gedanken. Als kleines Andenken habe ich mir wenigstens einen französischen Duft mitgebracht.

Blöd, dass die Seele bei 300 Stundenkilometern einfach nicht mitkommt. C’est la vie!

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In die Dunkelheit eintauchen

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Auch wenn wir am 21. Dezember die längste Nacht schon hinter uns haben, fühlen sich für mich die Tage zwischen den Jahren auch dieses Mal so an, als ginge es noch tiefer hinein in die Dunkelheit. Meine Energie für Aktivitäten im Außen ist gleich Null. Ich mache es mir bequem zwischen Schlafen, Träumen, Kochen und Essen, die Körperchemie ist dank einer hartnäckigen Erkältung auf Stand-By-Modus. Irgendwo nicht weit weg blitzt schon das Neue Jahr mit seinen Chancen, Reizen, Möglichkeiten. Aber noch genieße ich die frühe Dämmerung, die langen Abende, die lange Weile, den Gedanken nachzuhängen und das vergangene Jahr für mich zu betrachten und abzuschließen. Wie die Obsternte dieses Jahres nun in Gläsern und Flaschen ordentlich beschriftet in der Speisekammer steht, nehme ich mir jetzt die Zeit, meine immaterielle Ernte einzubringen.

Im verschwommenen Schauen wird oft Wesentliches sichtbar. Indem ich den Blick nicht fokussiere, einfach wahrnehme, was so auftaucht, mache ich mir viele Augenblicke dieses Jahres wieder lebendig. Was davon will ich mitnehmen in’s Neue Jahr?

Kooperation statt Konkurrenz.  Es ist immer genug für alle da, auch für mich, wenn ich nur den Mut habe, danach zu fragen. Oder wenn ich großzügig andere an meinen Schätzen teilhaben lasse. Es ist unglaublich, auf wieviele Arten sich das Vorhandene nutzen lässt, wenn man erst mal anfängt kreativ zu sein. Dazu fallen mir ein: die Quitten, die Äpfel, der LETS Tauschkreis, die Idee des Couchsurfing, die Zusammenarbeit mit meinen bewährten Trainingsagenturen sowie unsere Projekte landsberger NETZWERKSTATT und das in diesem Jahr neu gegründete Coaching-Netz Lech-Ammersee.

Alles braucht seine Zeit. Oftmals war ich unzufrieden, weil ich das Gefühl hatte, dass ich niemals mit der Arbeit fertig werde und habe mich furchtbar geärgert, dass andere es gut schaffen, sich auch den angenehmen Dingen zu widmen, während meine Hobbys sehr zu kurz gekommen sind. Bei Lichte besehen liegt es allein an mir, meine Zeit realistisch einzuschätzen und mich von unangemessenen Ansprüchen anderer abzugrenzen. Etwas weniger Perfektionismus, etwas mehr Teilen von Aufgaben mit anderen, ab und zu ein bewusster Tempowechsel und vor allen Dingen klare Prioritäten der eigenen Projekte könnten dabei helfen.

Meine persönliche Energiewende. Dank der kontinuierlichen Feldenkrais-Arbeit mit Ricarda Nickel habe ich mein Sensorium immer weiter verfeinert und spüre nun deutlich, dass ich meinen bisherige Umgang mit meiner Lebensenergie so nicht weiter aufrecht erhalten will. Einige Zipperlein des vergangenen Jahres sprechen eine deutliche Sprache. Ich habe gelernt, dass ich auch mit einem Bruchteil der gewöhnlich eingesetzten Kraft noch respektable Ergebnisse erzielen kann. Deshalb will ich in Zukunft durch intelligente Strategien meinen Energiehaushalt ins Gleichgewicht bringen – und mir dadurch weitere  Beweglichkeit und Handlungsfreiheit verschaffen. Zum Beispiel in der Blauen Stunde einfach den Luxus einer kleinen Fotoexpedition zu genießen…