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Einmal Paris – hin und zurück, bitte!

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Mein Arbeitsjahr 2013 beginnt gleich mit einer sehr interessanten Erfahrung: ein interkulturelles Training für Mittel-Osteuropa in Paris! Multikultureller geht’s fast nicht. Belgisches Unternehmen, französischer Klient mit US-Background, dänischer Chef, polnische, tschechische, slowakische und ungarische Kollegen und Partner.

In der Vorbereitung tauche ich tagelang in die englische Sprache ab und stelle wieder mal fest, welch gravierenden Einfluss dies auf mein Denken und meine Ausdrucksmöglich-keiten ausübt. Slawischen Wortwitz und diffizile Anredeformen rüberbringen? Schwierig…  Andererseits ist es im Englischen auch oft einfacher, Dinge auf den Punkt zu bringen (vielleicht weil mir das Handwerkszeug zum Verkomplizieren fehlt??). Mein Geist ist hellwach, auch nachts, wenn mir plötzlich wieder ein Wort einfällt, das ich nicht übersetzen kann. Mich auch noch auf’s Französische irgendwie vorzubereiten fällt vollkommen flach.

Dieser Auftrag ist auch gleichzeitig ein Lehrstück für mich. Mulmige Gefühle, Irritationen und ein paar lang verlegte Vorurteile melden sich aus dem Unterbewusstsein, abwechselnd mit freudiger Gespanntheit auf die neuen Erfahrungen. Die Reise im TGV (320 km/h Spitzengeschwindigkeit, null Sauerstoff) stimmt mich auf’s Business ein. Hier geht es um Tempo. Fast ein Retro-Erlebnis dann die Metro in Paris. Kann es sein, dass die U-Bahnen in Paris duften? Dafür ist das Kofferschleppen beschwerlich. Rolltreppen oder Lifte suche ich vergeblich.

Das Hotel dann ein futuristisch aufgehübschter Kasten (null Sauerstoff), der Blick aus meinem Fenster offenbart die Auffahrt zur Stadtautobahn, einige Wohnblöcke, ein Einkaufszentrum und dazwischen die Reste eines ehemaligen Vorortes. Irgendwo müssen doch noch die beiden Tours Mercuriales sein, schließlich habe ich dort morgen eine Verabredung im 27. Stockwerk? Für einen Ausflug ins echte Paris fehlt mir jegliche Energie, irgendwie ist mir schwindlig. Der einfühlsame Kellner erkennt meine Notlage, pickt aus der Menükarte genau die für mich passenden Dinge heraus und serviert umgehend einen fabelhaften Erste-Hilfe-Salat. Da merke ich, dass mir neben frischer Luft einfach auch ein anständiges Essen gefehlt hat.

Die Pariser Twin Towers tauchen dann am nächsten Morgen auf, als ich eine Runde um den Block gehe. Ungeachtet der Betonwüste um mich herum genieße ich die frische Morgenluft und freue mich über eine kreischende Spatzenbande. Den Tag verbringe ich mit sehr anregenden und angenehmen Menschen und stelle wieder einmal fest, dass es doch mehr Dinge sind, die uns verbinden, als uns voneinander trennen. Mit einem Panoramablick auf tout Paris und vorzüglichem Essen, leider wieder ohne Frischluft. Mein Paris-Abenteuer beschließe ich mit einer Taxifahrt zum Gare de l’Est und habe Gelegenheit, den geschmeidigen Fahrstil der Pariser Zweiradfahrer zu bewundern…

Eine Stunde habe ich noch die Chance, etwas Pariser Leben zu tanken, bevor ich mich im Nachtzug in mein Körperschließfach begebe. Ich muss bestürzt feststellen, dass die immerhin vorhandenen Schiebefenster auf dem Gang verriegelt wurden (wieder: null Sauerstoff). Wer jemals behauptet hat, nach einer solchen Nacht ausgeruht und faltenfrei ausgestiegen zu sein, der lügt. Zum Glück bin ich wie jener Teebecher in Paris auch recyclable. Als ich am Morgen am Augsburger Bahnhof ankomme, schnappe ich erstmal nach Luft, erfreue mich meiner wiedergewonnenen Bewegungs-freiheit, flute meine Zellen mit Wasser und lasse mich glücklich nach Hause chauffieren.

Nächstes Mal bleibe ich länger – Frankreich ist nun wieder auf meiner inneren Landkarte, französische Worte funkeln plötzlich in meinen Gedanken. Als kleines Andenken habe ich mir wenigstens einen französischen Duft mitgebracht.

Blöd, dass die Seele bei 300 Stundenkilometern einfach nicht mitkommt. C’est la vie!

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I see you! Was bleibt von Berlin…

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Ich schreibe diesen Artikel nun Monate nach dem SIETAR-Forum im September.  Die Eindrücke, Bilder, Gedanken und Begegnungen begleiten mich immer noch. Seither hat mein gefühltes Lebenstempo so zugenommen, dass ich mir keine Zeit genommen habe, etwas aufzuschreiben. Doch gerade das ist auch interessant. Gleich nach einer tollen Veranstaltung fühle ich mich schon gerne mal  „beflügelt“.

Was bleibt aber auf Dauer? Das Prägnanteste für mich war eine Randbemerkung einer Teilnehmerin bei einer der großen Forumsdiskussionen. Sie erzählte von einem Science-Fiction-Film, in dem sich die Protagonisten mit den Worten I see you begrüßten.

I would love to live in a society where people greet each other with these simple words…

…ist der Gedanke, der mir im Gedächtnis geblieben ist. Was passiert, wenn wir beginnen, uns nicht nur zu sehen sondern auch uns gegenseitig in all unseren Facetten wahrzunehmen? Und zwar erst einmal ohne Bewertung dessen, was wir da wahrnehmen? Wie oft gelingt mir das? Damit will ich ein bisschen experimentieren in nächster Zeit.

Was noch bleibt von Berlin ist die Erkenntnis, dass es gut für mich ist, wenn ich mir viele Pausen gönne, gerade wenn die Verführung groß ist, sich dem Strudel der Impulse zu ergeben. Spaziergang statt Plenumsdiskussion – einfach Abendessen statt Integral Art Dinner waren eine gute Idee.